Pokal-Aus im Dämmerschießen von Düren

In einem langen Kreispokal-Viertelfinalkrimi schenkten sich der 1. FC Düren und die Borussia über 120 Minuten nichts. Durch das 1:1 nach Verlängerung gipfelte die Spannung vor den vermeldeten 400 Zuschauern im Elfmeterschießen, wo sich der FCD in der Dämmerung der Westkampfbahn mit 6:5 durchsetzte. Das Aus im Pokal für die Saison 2019/20 ist aus Freialdenhovener Sicht besonders bitter, weil die Borussen nach zwei Dürener Platzverweisen (82./101.) am Ende in doppelter Überzahl agierten und sich Torwart Stefan Kemmerling in der ersten Halbzeit womöglich schwerer verletzte.

Eine genaue Diagnose steht noch aus. Kemmerling bekam im Dürener Krankenhaus zunächst eine Schiene verpasst. In der 22. Minute des Kreispokal-Knüllers prallte der Keeper unglücklich auf den Boden und hielt sich schmerzverzerrt den rechten Arm. Zuvor hatte der 26-Jährige nichts zu tun, da die Dürener Dennis Dreyer und Musashi Fujiyoshi ihre Abschlüsse verzogen (12./17.). Tobias Werres kam rein in eine Partie, in der Freialdenhoven munterer begann, sich aber dann manchen Ballverlust leistete. Einer davon begünstigte die Führung der von Giuseppe Brunetto gecoachten Gastgeber nach exakt einer halben Stunde: Fujiyoshi flankte aus dem Halbfeld auf den Kopf von Jannis Becker, der sieben Meter vor dem Gehäuse auf den vollstreckenden Dreyer ablegte (Foto links). Hier wurde der gute Schiedsrichter Dominik Mynarek von seinem Assistenten im Stich gelassen, denn Dreyer befand sich bei Beckers Kopfballverlängerung eindeutig im Abseits.

Dennoch wirkte der im 4-1-4-1 auflaufende FCD, mit Kanischka Taher als Abräumer vor der Abwehr, in dieser Phase zwingender. Ex-Borusse Philipp Simon verfehlte (32.) und Werres musste gegen den von Yunus Kocak im Rückraum angespielten Dreyer stark parieren (45.). Die Freialdenhovener, die das Mittelfeld oft schnell überbrücken wollten, setzten dem einen geblockten Drehschuss von Pascal Schneider (34.) und ein Solo von Niklas Koppitz entgegen, bei dem der Mittelfeldtechniker besser selbst abgezogen hätte, statt den bedrängten Mark Szymczewski zu bedienen (39.).

Verbunden mit der Einwechslung des Rechtsaußen Yannick Kuhnke für Marcus Weber stellte Trainer Wilfried Hannes auf drei Positionen um: Christos Draganidis rückte ins Sturmzentrum, Schneider nach links und Claas Heinze übernahm den Part des Linksverteidigers. Damit bekamen die Schwarz-Weißen die gegnerischen Flügelspieler (insbesondere Günter Mabanza und Simon auf links kreierten Produktives) besser in den Griff. Kocak ließ einen Hochkaräter aus fünf Metern liegen (47.), ansonsten aber wurde die Borussia stärker, weil sie sich mehr Kombinationen zutraute und entschlossener attackierte. Beim Kopfball von Alexandru Daescu nach einer von Draganidis verlängerten Schneider-Ecke fehlte nicht viel (60.), neun Minuten später fiel per Foulelfmeter der verdiente Ausgleich. Der ehemalige Freialdenhovener Julian Wiersberg fuhr sein linkes Bein gegen Koppitz aus (Foto links), Szymczewski verwandelte den Strafstoß unter Mithilfe des Innenpfostens.

Nun entwickelte sich bei kurzzeitig einsetzendem Regen ein echter Pokalfight, in dem zusätzliche Emotionen aufkamen, als Marvin Störmann für einen Stoß gegen Schneider die Gelb-Rote Karte sah (82.). Der daraus resultierende Freistoß von Kuhnke klatschte an den Pfosten, Koppitz versenkte die Kugel im Nachsetzen, doch Referee Mynarek pfiff ab. Daescu, im Abseits postiert, stand dem Dürener Torwart Marcel Reisgies im Blickfeld (Foto rechts). Weiter Remis, die Verlängerung musste her.

In der brach Oskar Tkacz durch, schoss allerdings nicht selbst, wie schon Koppitz in der ersten Halbzeit (93.). In dem hochintensiven Schlagabtausch verlor der FCD-Kapitän die Nerven: Kocak trat gegen den am Boden liegenden Heinze nach und flog mit Rot vom Platz (101., Foto links). Gegen nur noch neun, eng verzahnte Dürener bemühten sich die Borussen, ihr Spiel breit anzulegen. Es sprangen aber zu wenige Chancen heraus. Pech kam hinzu, als Kuhnke mit dem Kopf für den zweiten Aluminiumtreffer sorgte. Gérard Sambou jagte den Abpraller drüber (111.). Die gleiche Richtung über die Latte nahm der ebenfalls aus zehn Metern abgegebene Schuss des freigespielten Schneider (114.). Eine Minute darauf verpasste Schneider erneut die Entscheidung wegen einer Flugeinlage von Schlussmann Reisgies. Stattdessen besaß Düren in den Schlusssekunden nochmal die Gelegenheit auf den Lucky Punch, doch Werres war trotz einbrechender Dunkelheit auf der nicht über Flutlicht verfügenden Westkampfbahn hellwach gegen Daniel Bleja.

Die Dürener wähnten sich zum fälligen Elfmeterschießen nach überstandener, langer Unterzahlphase im psychologischen Vorteil, aber im Shootout sollte Werres die erste Glanztat (gegen Wiersberg) auspacken. Erinnerungen kamen auf zum vier Tage zuvor im gleichen Stadion gewonnenen Kreis-Champions-Cup, wo der 25-Jährige gegen die Sportfreunde Düren ebenso zum „Elferkiller“ avancierte. Drei Schüsse später war alles wieder ausgeglichen, Tkacz vergab. Da die nächsten sieben Versuche alle saßen, machten sich die Schiedsrichter allmählich Sorgen. Die Sicht wurde immer schlechter. Als siebter Borusse traute sich Vincenz Borgelt an den Punkt und scheiterte an Reisgies (Foto rechts). Bleja besiegelte mit dem 7:6 für Düren den Erfolg der Hausherren im Dämmerschießen und den Einzug ins Halbfinale. Es gehörte zur Dramatik des Mittwochabends, dass Werres den Ball noch mit den Fingerkuppen berührte.

„Elfmeterschießen, gerade bei diesen fragwürdigen Lichtverhältnissen, ist Glückssache. In der zweiten Hälfte der Verlängerung verpassten wir den Sieg. Wir müssen uns vorwerfen, die Überzahl nicht ausgenutzt zu haben“, sagte Trainer Hannes, dem wie der gesamten Mannschaft die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben war.

Aufstellung: Kemmerling (22. Werres) – Borgelt, Roex, Daescu, Weber (46. Kuhnke) – Szymczewski, Koppitz, Sambou (118. Iskra) – Draganidis (65. Tkacz), Schneider, Heinze
Tore: 1:0 Dreyer (30.), 1:1 Szymczewski (69./Foulelfmeter)
Elfmeterschießen: Koppitz – 0:1, Wiersberg – gehalten, Heinze – 0:2, Mbuyi – 1:2, Tkacz – gehalten, Reisgies – 2:2, Kuhnke – 2:3, Antoski – 3:3, Szymczewski – 3:4, Simon – 4:4, Iskra – 4:5, Nießen – 5:5, Borgelt – gehalten, Bleja – 6:5
Gelb-Rote Karte: Störmann (81./Düren)
Rote Karte: Kocak (101./Düren, grobe Unsportlichkeit)
Schiedsrichter: Mynarek (Düren)

Fotos: Michael Schneiders