„So wünscht man sich ein Fußballfest“

Wilfried Hannes nahm die kribbelnde Stimmung im Verein und im Team feinfühlig wahr: „Als das Los Alemannia Aachen gezogen wurde, wars mit der Winterruhe vorbei.“ In der Tat standen für die „Borussen-Familie“ anschließend sehr viele Aufgaben auf der Agenda. Neben der guten Vorab-Abstimmung mit der Polizei und den Aachener Verantwortlichen ging es an die umfangreiche Organisation des Bitburger-Pokal-Viertelfinals am Karnevalssamstag. „Nach der fantastischen Saisoneröffnung wollten wir erneut unsere große Gastfreundschaft unter Beweis stellen, und das Spiel fürs Dorf und alle Anhänger unseres Klubs zu einem zweiten absoluten Höhepunkt in dieser Saison machen“, sagte Präsident Rolf Imdahl. Und das gelang beim historisch erstmaligen Gastspiel des Traditionsklubs vom Tivoli.

Vor allem, weil sich die Borussen-Verantwortlichen, wie schon im August beim Auftaktderby gegen Düren (1:0), auf die Unterstützung von Vielen verlassen konnten. Engagierte aus der Jugend, darunter die Trainer, und der „Alte Herren“-Abteilung zogen mit. Aktuelle und ehemalige Borussen sowie Freunde und Verwandte von Stammhelfern erklärten sich zum Anpacken bereit. Es galt den Ansprüchen des Zuschaueransturms gerecht zu werden. Das trockene Wetter lockte zahlreiche kurzfristig Entschlossene an die Ederener Straße. Insgesamt erschienen deutlich mehr Sportfreunde, als Tickets im Vorverkauf abgesetzt wurden. Der Ort lebte den Fußball-Knaller. So lieh die Frauengemeinschaft Kaffeekannen aus, die Feuerwehr stellte einen Teil der Bänke und Tische und die Wiese hinter der Firma Ross diente erneut als Sonderparkplatz. Hinzu kam eine weitere Parkfläche im Feld Richtung Ederen.

Früh mussten die Einweiser und der Ordnungsdienst auf den Posten sein. Vor der Stadionöffnung um 13.30 Uhr warteten bereits hunderte Besucher vor den drei Eingangstoren. Mit mehreren Bussen rückten Fans des ehemaligen Bundesligisten an, teilweise kostümiert. Überhaupt drückte der Karneval der Veranstaltung seinen Stempel auf. Bei einer Mischung aus Chart- und Stimmungshits aus den Lautsprechern zeigten sich die Zuschauer in Trink- und Verzehrlaune. In dieser Hinsicht bewegte sich das jetzige Event nochmal in einer größeren Dimension als die Saisoneröffnung. Selbst am dritten Zusatzimbiss und an den Cafeteria-Fenstern, aus denen erstmals heraus verkauft wurde, hatten die fleißigen Helferinnen und Helfer durchweg alle Hände voll zu tun. Aber weil ein Rädchen ins andere griff, funktionierte die Nachschubversorgung für alle fünf Verpflegungsstände reibungslos.

Ein „großes Kompliment an die Organisatoren“ sprach die Alemannia-Fanbetreuung aus: „Für die Freialdenhovener bedeutete es sicher kein alltägliches Erlebnis und sie haben das top gemacht. Die Gastronomie war perfekt, alles passte. So wünscht man sich ein Fußballfest!“ Ein „Sonderlob für das exzellente Kuchenbuffet“ formulierte die Aachener-Fan-Homepage „Ochehoppaz“. Offensichtlich waren die Kaiserstädter mit dem Angebot so sehr zufrieden, dass sie die Würste und Fritten bereits für sich reklamierten. So ist in den Fan-Infos auf der offiziellen Website der Alemannia zu lesen: „Am Imbiss bieten wir Bratwurst, Currywurst und Pommes an.“ 😀

Gut gestärkt tummelten sich die schwarz-gelben Schlachtenbummler an allen vier Seiten des Rasens. Es war ein friedliches Miteinander zwischen ihnen, den Borussen-Anhängern und den neutralen Fans aus nah und fern. Nachdem die Mannschaften mit den Freialdenhovener F1- und F2-Junioren aufliefen, begann der Dauergesang der Aachener Ultra-Szene. Mit diversen Spruchbändern übten die Supporter Kritik an Polizeieinsätzen bei Regionalliga-Auswärtsspielen. Beim finalen Tor zum 3:1 riefen die Ultras die Ordnungshüter selbst auf den Plan, als viele Fans bei ihrem Jubel gleichzeitig gegen die Werbebande drückten und diese auf mehreren Metern durch die Last zerstört wurde. „Der ungestresste Umgang durch die freundlichen Freialdenhovener Menschen mit den Aachener Fans lief sehr vorbildlich“, beobachtete der Journalist Wolfgang Frings. Er trug dazu bei, dass rund um die Sprecherkabine einiges los war. Denn neben zahlreichen Zeitungsvertretern reisten drei Kamerateams (FuPa-TV, Rheinkick, Zeitungsverlag Aachen), zwei Liveticker-Dienste (FuPa Westrhein, Alemannia Aachen) sowie der Radiosender 100‘5-Das Hitradio an, der die kompletten 90 Minuten live im Onlinestream übertrug. Die Medienvertreter berichteten unisono von einer respektablen Leistung der Borussen, die sich nach dem 0:2-Rückstand nicht geschlagen geben wollten. Bezeichnenderweise wechselte Coach Hannes mit den Hereinnahmen von Leo Engels, Pascal Schneider und Hussain Alawie ausschließlich offensiv ein.

Zur Sensation reichte es leider nicht. Für die Schwarz-Weißen gibt es nächstes Jahr einen neuen Anlauf im Pokal und eine neue Chance auf Highlight-Spiele wie jenes am Samstag. „Natürlich sind solche Großereignisse schön und besonders, aber sie sind für uns auch ein unheimlicher Aufwand. Umso mehr freuen wir uns über die positiven Rückmeldungen“, meinte Geschäftsführer Achim Gehlen. Er und alle Mitstreiter haben nun etwas Zeit zum Durchatmen. Demnächst ist alles wieder ein paar Nummern kleiner – am 24. März gastiert der FC Hennef 05 in der Mittelrheinliga.

Fotos: Lothar Offermanns / Durch Klick auf die Fotos vergrößern sie sich.