Hannes will mehr als eine Lotto-Chance

Hört man sich an den Eintrittskarten-Vorverkaufsstellen für den Pokal-Knaller gegen Alemannia Aachen um [Übersicht aller Vorverkaufsstellen hier], trifft man auf die unterschiedlichsten Menschen. „Für einen Freund aus Schweinfurt habe ich diese fünf Tickets besorgt. Seine Familie verbindet einen Besuch bei uns mit dem Spiel“, erzählt ein Käufer. „Ich bin zwar im Karneval aktiv, aber das Spiel in Freialdenhoven ist ja zum Glück nachmittags“, sagt ein anderer. Kommentare wie diese und auch die außergewöhnlich hohe Anzahl an Fans und Medienvertretern, die sich mit Anfragen für Samstag (Anstoß 15.00 Uhr, Einlass ab 13.30 Uhr) an die Borussia-Verantwortlichen wenden, zeigen die besondere Strahlkraft und Faszination der Auseinandersetzung zwischen der Nummer eins des Kreises Düren und des regionalen Flaggschiffes aus Aachen.

Unterdessen geht die Vorbereitungszeit für das Freialdenhovener Team in die Abschlusswoche. Aus dem finalen Test beim SV Rott am heutigen Dienstagabend (Anstoß 19.30 Uhr) zieht Wilfried Hannes die letzten Erkenntnisse. Der Borussen-Coach weiß übrigens wie es ist, die Alemannia aus dem Pokal zu werfen. Vor über 20 Jahren, am 09.09.97, machte er mit Rhenania Würselen die Riesenüberraschung wahr und besiegte die Kaiserstädter um Henri Heeren, Erwin Vanderbroeck, Mario Krohm und Trainer Werner Fuchs mit 2:0. Später stand Würselen im Mittelrheinpokal-Finale, in dem man Bayer 04 Leverkusen II am heimischen Lindenplatz mit 1:2 unterlag. „Das war die Glanzzeit der Rhenania. Wir hatten eine Super-Truppe, die es vor allem zuhause jedem schwer machte“, erinnert sich „Winni“. „Aber ich weiß, dass wir mit der aktuellen Borussia-Mannschaft ebenso sehr unangenehm sein können, auch wenn für den großen Wurf alles passen muss.“

Für Hannes, der von 1991 bis 1994 selbst Trainer bei der Alemannia war, steht in dieser Woche der taktische Feinschliff im Vordergrund. Dabei kann er auf Torjäger Kevin Kruth zählen. Nach der Schrecksekunde im Test gegen Germania Teveren (5:1), als der Stürmer nach einem Zusammenprall mit dem gegnerischen Keeper am Boden liegen blieb und im Krankenhaus mit fünf Stichen an der Nase genäht werden musste, ist Kevin wieder mitten im Geschehen. Weil kein Bruch diagnostiziert wurde, ist eine schützende und zugleich sichteinschränkende Maske nicht nötig.

Angesprochen auf die Wahrscheinlichkeit einer Sensation, formuliert Hannes einen metaphorischen Vergleich: „Eine Chance hast du auch beim Lotto spielen. Das reicht uns aber nicht! Wir wollen eine reelle Chance.“ Daran wird im Training und heute Abend in Rott gearbeitet. „Die Jungs sind natürlich heiß. Diese Gier gilt es am Samstag aufs Feld zu bringen und es heißt, ohne Angst den Gegner zu bearbeiten.“