4:1 n.V.! In der Zusatzschicht überzeugt

Den Borussen war vollkommen klar, dass das aufstiegsinteressierte Landesliga-Topteam FV Bonn-Endenich ihnen im Achtelfinale des Bitburger-Pokals einiges abverlangen würde. Die Gastgeber verloren auf der eigenen Anlage im letzten Dreivierteljahr nur einmal und putzten im Bonner Kreispokal mit Friesdorf und Alfter zwei Mittelrheinligisten weg. Doch mit einer Energieleistung in der zweiten Halbzeit und insbesondere während der nötig gewordenen Verlängerung (1:1 nach 90 Minuten) zwang Freialdenhoven die Bundesstädter am Samstagnachmittag in die Knie. Durch den 4:1-Sieg stehen die Schwarz-Weißen unter den letzten Acht im Pokal! Trainer Wilfried Hannes: „Man macht zum Tabellenzweiten der Landesliga eben keinen Ausflug. Das war hier lange kampfbetont und sehr unangenehm. Aber die Jungs nahmen den Pokalfight gut an. Am Ende sind wir verdient eine Runde weiter und das ist das, was im Pokal zählt.“

Die Gastgeber präsentierten sich nicht nur richtig widerspenstig, sondern setzten sich mit gezielten Mitteln zur Wehr, auch wenn sie Borussen-Torhüter Tobias Werres kaum direkt prüften. Hinten machten sie dicht und vorne lauerten der Bälle fest machende Ex-Regionalliga-Kicker Florian Schöller und der flinke Leonardo dos Santos, der Christian Kreutzer in zahlreiche körperbetonte Sprintduelle verwickelte. Die Freialdenhovener Angriffe beinhalteten anfangs einige Ungenauigkeiten sowie wenig Geduld und Struktur für den Defensivblock aufreißende Kombinationen. „Vor allem spielten wir viel zu langsam“, sah Hannes, dass sich die gegnerische Fünferabwehrkette mit drei Abfangjägern davor stets eng formieren konnte. „Dazu standen unsere Verteidiger zu tief, so konnten wir keinen echten Druck aufbauen“, bemängelte der Fußballlehrer. Hingegen ermöglichte eine schöne Verlagerung in der 39. Minute die Führung: Nach zwei Doppelpässen von Wolfgang Nock und Mark Szymczewski erhielt Yannick Kuhnke auf dem rechten Flügel die Kugel. Dessen Flanke aus der Drehung nickte Kevin Kruth freistehend ein.

Mit dem einsetzenden Regenschauer nach der Halbzeit wurden die Borussen ebenso sportlich kalt erwischt: Einen Endenicher Freistoß von rechts durch Schöller finalisierte der von Alain N’Goua missachtete Phillip Schiffer mit einem Kopfball aus naher Distanz (55.). Freialdenhoven reagierte wütend und war fortan merklich durchsetzungsfähiger. Nock probierte es mit zwei harten Flachschüssen von der Strafraumgrenze (57./58., einen holte Keeper Malte Eisberg gerade noch aus dem Eck) und Schiffer unterlief nach einer Kuhnke-Hereingabe beinahe ein Eigentor (62.). Dazu hatten manche der Zuschauer auf der Tribüne, wo sich nahezu so viele Freialdenhovener Fans wie Bonner einfanden, einen sich senkenden Kopfball von Marcus Weber schon im Netz gesehen (70.). Zum Ende der regulären Spielzeit wurde es hektischer: Bei der verbreiterten Körperfläche von Endenichs Alexander Dohr hätte es Handelfmeter für die Borussia geben müssen (72.), die Hausherren suchten den Lucky Punch durch den verziehenden Philipp Andre Fritzen (86.) sowie einen tückischen Heber von Dohr (90.+2), doch die größte Chance besaß Hussain Alawie, dessen 14-Meter-Schuss der Schlussmann noch an die Latte lenkte (89.).

So mussten die Schwarz-Weißen erstmals seit dem 14. Oktober 2012 (in Wegberg-Beeck) im Mittelrheinpokal in die Verlängerung. Mit Hannes‘ Instruktionen (großes Foto oben) und einem flammenden Appell von Kruth im Spielerkreis zeigte sich in der zusätzlichen halben Stunde eindeutig, wer die größeren Reserven haben sollte. Nach Kuhnkes 2:1 durch einen von Kruth aufgelegten 18-Meter-Knaller in die rechte untere Ecke (99.) überzeugten die willensstarken Borussen nun auch spielerisch. Unmittelbar nach dem erneuten Seitenwechsel verhinderte Endenichs Abwehrchef Dohr das 3:1, das dann dessen Kollege Ralf Jegel besorgte, als er Alawies Flanke per Grätsche entschärfen wollte (Eigentor, 106.). Die Bonner konnten nicht mehr, traten nur noch einmal durch Schöller in Erscheinung (107.). Die Borussia legte schließlich noch das 4:1 drauf: Kuhnke lief einmal mehr seinem Gegner weg (kleines Foto links, durch Klick vergrößerbar) und der von ihm bediente Patrick Rubaszewski vollendete im Zentrum (108.). Am Rande gab es etwas für die Vereinsgeschichte, indem Hannes vom seit dieser Saison in einer Verlängerung erlaubten vierten Spielerwechsel Gebrauch machte (109., Jehia Makki für Kruth). Der Trainer freute sich über den vierten Viertelfinaleinzug in den letzten fünf Jahren: „Gerade nach den schwierigeren letzten Wochen ist das Erfolgserlebnis wichtig. Nach der Pause wollten wir eigentlich die Vorentscheidung herbeiführen. Durch den vermeidbaren Fehler zum Gegentreffer haben wir uns die Verlängerung eingebrockt, es dann allerdings gut gemacht.“

Aufstellung: Werres – Borgelt, Kreutzer, Weber, N’Goua – Nock (62. Alawie), Sambou, Daescu (100. Kraus) – Kuhnke, Kruth (109. Makki), Szymczewski (82. Rubaszewski)
Tore: 0:1 Kruth (39.), 1:1 Schiffer (55.), 1:2 Kuhnke (99.), 1:3 Jegel (106./Eigentor), 1:4 Rubaszewski (108.)
Gelbe Karten: – / Kreutzer, N‘Goua
Schiedsrichter: Heller (Köln)
Zuschauer: 100 in der Bezirkssportanlage West