Endenich klopft an die Mittelrheinliga-Pforte

Es könnte durchaus sein, dass sich die Borussia und der FV Bonn-Endenich bald öfter begegnen. Der Landesligist aus der früheren Hauptstadt, Freialdenhovens Gegner im Bitburger-Pokal-Achtelfinale am Samstag (Anstoß 14.00 Uhr, Bezirkssportanlage Röckumstraße), arbeitet auf den Sprung in die Mittelrheinliga hin. „Wir wollen Geschichte für unseren Verein schreiben und mal im Oberhaus der Amateure kicken“, sagt Hansi Langen, Sportlicher Leiter und zugleich 2. Vorsitzender beim FVE. Unabhängig davon, ob es mit dem Aufstieg klappt, verspricht die aktuelle Saison die beste der 110-jährigen Klubhistorie zu werden. Endenich ist mit sechs Punkten Rückstand auf den FC Pesch Tabellenzweiter, zuhause noch unbesiegt und gewann vor der jüngsten 1:3-Niederlage gegen Schlebusch sechs der vorangegangenen sieben Partien.

Nach Jahren im Mittelfeld des Landesliga-Tableaus sollte in diesem Jahr eigentlich eine ruhige Neuausrichtung stattfinden. Mit Dennis Ochs rückte im Sommer ein langjähriger Führungsspieler ins Traineramt. „Sicher war ein gewisses Risiko dabei, als wir die Entscheidung trafen, dass ein ehemaliger Teamkamerad die Jungs anführt. Aber Dennis überzeugt einfach mit seiner akribischen Arbeit“, lobt Langen den Coach, der auch mit dem Einbau von jungen Akteuren keine Schwierigkeiten hat.

Auf der Endenicher Trainerbank saß Langen lange selbst. Als er vor acht Jahren sein Engagement im westlich vom Bonner Zentrum gelegenen Bezirk begann, war noch nicht daran zu denken, dass der Verein mal an die Pforte zur obersten Amateurklasse klopfen würde. 2007 hieß die Realität sogar Kreisliga B. Langen trug seinen Teil zum respekteinflößenden Aufschwung bei und weiß, was Endenich ausmacht: „Wir sind bekannt für eine Art Wohlfühl-Klima durch unsere große Kameradschaft. Dass man nach dem Spiel geschlossen in die Kneipe geht oder im Juni mit 30 Mann nach Mallorca fliegt, gibt es in den höheren Amateurligen doch heutzutage kaum noch.“

Gekickt wurde an der Röckumstraße lange auf der für die Gegner unbequemen Asche, auch noch nach dem Landesliga-Aufstieg 2012. Erst seit Januar 2017 ist der von einer Laufbahn umschlossene Platz mit einem von der Stadt Bonn bezahlten Kunstrasenbelag ausgestattet. Die fußballerische Qualität stieg durch den neuen Untergrund und die Schwarz-Gelben gewannen an Attraktivität bei Zuschauern und höherklassigen Spielern, deren Aufwandsentschädigungen ein vielköpfiger Sponsorenring übernimmt. Gleich neun Akteure aus dem Kader besitzen Mittelrheinliga-Erfahrung, so wie Torjäger Florian Schöller (früher Hennef), Mittelfeldmann Daniel Schmitz (Alfter) oder Abwehrchef Tobias Roth (Bonner SC / Windeck). Der Sportliche Leiter Langen nutzte dabei seine Kontakte als ehemaliger A- und B-Jugend-Trainer des Bonner SC: „Wir schauen, dass Qualität nach Endenich kommt und wir Spieler aus Bonn oder dem direkten Umland an uns binden.“

Die „Bonner Jungs“ sorgten auch im Bitburger-Pokal bereits für Furore. Im Vorjahr schafften sie es unter die letzten Acht und scheiterten beim 1:3 gegen Euskirchen knapp am Halbfinal-Einzug. „Wir können Pokal“, ist Langen überzeugt und wurde durch die erfolgreiche Titelverteidigung des Bonner Kreispokals bestätigt. Auf dem Weg dahin schaltete Endenich mit Friesdorf (1:0) und Alfter (2:0) zwei Mittelrheinligisten aus. Langen hofft gegen die Borussia am Samstag auf eine erneute Überraschung: „Gerade zuhause werden wir trotz einzelner personeller Ausfälle keine Angst haben“, prognostiziert der 53-Jährige. „Wenn man aufsteigen will, kommt die Partie gegen Freialdenhoven genau richtig. In der Mittelrheinliga müssten wir uns schließlich jede Woche mit so einem starken Gegner messen.“

Foto: FuPa