Ende mit Déjà-vu-Erlebnissen

Die lange auf ein Unentschieden hindeutende 2:3-Niederlage beim FC BW Friesdorf zum Ende der Saison 2017/18 beinhaltete Déjà-vu-Erlebnisse, die der Trainerstab und die am Samstag mitgereisten Anhänger – im Positiven wie im Negativen – schon mehrfach im Schlussdrittel dieser Spielzeit kennenlernten. Eine Saison, die die Borussia trotz der eher durchwachsenen letzten Wochen auf einem insgesamt guten fünften Platz abschloss – als Nummer 1 im Kreisgebiet vor Viktoria Arnoldsweiler (7.) und als bester Mittelrheinligist der gesamten Region vor dem SV Breinig (6.).

So lieferte Freialdenhoven im Stadtteil von Bonn erneut ein gutes Spiel ab, was auch vom heimischen Tabellenvierten anerkannt wurde. „Es war wieder so, dass der gegnerische Trainer zugeben musste, wie unverdient sein Erfolg ausfiel“, schätzte Coach Wilfried Hannes die Einstellung seines Teams im letzten Saisonmatch, mit der man personelle Ausfälle kompensierte. Eine gute Stunde lang besaß die Borussia Vorteile, erst in den letzten 20 Minuten bereiteten die aufkommenden Friesdorfer ernste Probleme. „Wir müssen die Schuld bei uns suchen. Es war schlimm, wie viele Tormöglichkeiten wir liegen ließen und uns damit für den ganzen Aufwand nicht belohnten“, sprach Hannes ein weiteres wiederkehrendes Merkmal im Freialdenhovener Spiel an: Die unzureichende Chancenverwertung.

„Mit 9:4-Hochkarätern zu verlieren ist sehr bitter“, rechnete der Fußballlehrer vor. „Wie wir abschließen, wenn wir frei vor dem Tor oder dem Keeper auftauchen, ist ein markanter Unterschied zwischen uns und den besten Teams der Liga.“ Noch bevor die Gastgeber in der vierten Minute in Führung gingen, säbelte Bahadir Güler vier Meter vor dem Friesdorfer Kasten über den von Moritz Kraus nach innen gepassten Ball. Ebenfalls in der Anfangsphase prallte ein Schuss von Kevin Kruth an einem auf der Linie stehenden Verteidiger ab. Später verstolperte Güler eine Hereingabe von Yannick Kuhnke und BW-Schlussmann Abduelrihim El Daghais hielt Philipp Simons strammen Schuss. Auch in der zweiten Hälfte, die Freialdenhoven mit einer 2:1-Führung begann, fragten sich die 120 Zuschauer am Kunstrasenplatz Margaretenstraße, wann die Borussen nachlegen würden. Julian Wiersbergs Versuch wurde geblockt, Kruth zielte vorbei. Dazu fiel Oskar Tkacz als Wiederholungstäter beim Auslassen einer Mega-Chance auf. Wie gegen Hürth steuerte er nach einem Steilpass frei auf den Torhüter zu. Diesmal schob er den Ball nicht daneben, sondern entschied sich zum Ausspielen des Keepers und ließ sich dabei fallen. Statt des 3:1 für Freialdenhoven gab es Gelb wegen einer Schwalbe. „Sowas unnötiges“, polterte Hannes. „Erstens wollen wir fair auftreten und zweitens hätte er einfach durchlaufen können.“ Immerhin legte Tkacz in der 30. Minute mit einem Querpass von links auf den verwandelnden Güler das 1:1 auf, Kevin Kruth nutzte des Weiteren einen Handelfmeter zum 2:1 (38.).

Eine zusätzliche Parallele zu den vergangenen Wochen markierten die Abwehrpatzer. Nicht davon betroffen war der notgedrungen als Rechtsverteidiger aufgebotene Kuhnke. „Es war schon überraschend, wie überragend er die ungewohnte Position erfüllte“, gab es ein Kompliment vom Trainer, dem das verletzungsbedingte Fehlen von Christian Kreutzer auffiel. „Ohne ihn fehlt uns die absolute Stabilität. Wir machen es zwar nicht schlecht, aber verteidigen nicht mit allen konsequent“, ärgerte sich Hannes stellenweise über unterlassene Hilfeleistung der Offensiven, wie von Simon, der den aus der Distanz zum 1:0 treffenden Benjamin Nuhi aus den Augen verlor (4.). „Mit seiner Einstellung war ich nicht zufrieden“, erläuterte Hannes, warum er Simon schließlich bereits nach 35 Minuten aus dem Spiel nahm. In der 73. Minute entzog sich der seit seiner Einwechslung (59.) stetige Unruhestifter Metin Kizil der Bewachung von Wiersberg und netzte im Anschluss an eine Friesdorfer Kombination über rechts aus dem Gewühl heraus zum 2:2 ein. Die Hausherren taten nun alles, um zu gewinnen. In der 90. Minute verletzte sich Alexandru Daescu bei einem Foul nach einem langen Friesdorfer Schlag. Die Partie lief dennoch weiter und Etienne Kamm setzte einen perfekten Sonntagsschuss aus 17 Metern rechts oben in den Winkel. Der sonst so besonnene Gérard Sambou lief aufgebracht zum Schiedsrichter wegen des vorangegangenen Fouls an Daescu. Ein Wortgefecht zwischen dem Referee und Hannes setzte sich sogar im Kabinentrakt fort, zumal zuvor ein Treffer von Güler zum vermeintlichen 3:1 aus von außen nicht zu klärenden Gründen die Anerkennung versagt blieb.

Schließen möchten wir den letzten Spielbericht des Fußballjahres aber mit etwas Schönem: Stefan Kemmerling stand erstmals seit seiner schweren Verletzung aus dem Januar 2017 (Kreuzbandriss und Teilriss der Innenmeniskuswurzel) wieder im Borussen-Kasten. „Wir wollten ihn dafür belohnen, dass er sich immer wieder herankämpfte, und zugleich sehen, wie weit er ist. Nach der Sommerpause sollte er im anschließenden Training wieder richtig in Form kommen“, rechnet Hannes fest mit dem 25-Jährigen in der neuen Saison, in der sich manche Phänomene aus dem letzten Drittel der Saison nicht so oft wiederholen sollen.

Aufstellung: Kemmerling – Kuhnke, Wiersberg, Sambou, Kraus – Simon (35. Schneider), Takai, Daescu (90. Schregel), Tkacz – Güler (72. Nock), Kruth
Tore: 1:0 Nuhi (4.), 1:1 Güler (30.), 1:2 Kruth (38./Handelfmeter), 2:2 Kizil (73.), 3:2 Kamm (90.)
Gelbe Karte: Tkacz
Schiedsrichter: Meier (Lohmar)