Hannes hadert mit „Schlafmützigkeit“

Wilfried Hannes hatte einiges Positives gesehen trotz des 0:2 auswärts beim FC Hennef 05, mit dem die Gastgeber ihre Restchance auf den Regionalliga-Aufstieg wahrten. „Wir besaßen mehr Spielanteile und waren ganz sicher nicht die schlechtere Mannschaft“, konstatierte der Freialdenhovener Trainer. „Dennoch verloren wir verdient aufgrund unserer Schlafmützigkeit bei den Gegentoren.“ Den ersten verschnarschten Moment leisteten sich die Borussen in der sechsten Minute, kurz nachdem Philipp Simon mit einem knapp am Hennefer Gehäuse vorbeirauschenden, artistischen Seitfallzieher das erste Ausrufezeichen am Pfingstsonntag setzte (4.): Ein eigener Abstoß von Aleksandar Lovric, der für den verhinderten Tobias Werres das Tor hütete, kam über Suheyel Najar postwendend zurück. Im Mittelkreis behielt der FC-Wirbler gegen Poongbeom Lee die Oberhand und bediente mit einem Pass zwischen Moritz Kraus und Julian Wiersberg hindurch den gestarteten André Klug. Der steuerte bei seinem Dribbling auf ein überraschend verwaistes Zentrum zu und versenkte das Leder aus 15 Metern.

Für Keeper Lovric gab es bei dem platzierten Schuss nichts zu halten und auch in der Folge bot sich für den 25-Jährigen in seinem zweiten Mittelrheinliga-Einsatz nicht die Möglichkeit zur Auszeichnung. Das lag daran, dass sich die Partie vornehmlich im Mittelfeld und in der Hennefer Hälfte abspielte. Eine ballsichere Borussia bekam das Geschehen in den Griff, sah sich allerdings einem Kontrahenten mit starken Individualisten und einer gezielten Taktik ausgesetzt. Trotzdem konnten sich Oskar Tkacz und noch häufiger Pascal Schneider auf den offensiven Außenpositionen mehrfach behaupten. Aus solchen Szenen entsprangen beispielsweise ein Außennetzschuss von Simon (38.) sowie eine klare Einschussgelegenheit für Tkacz, die im letzten Augenblick von einem grätschenden Verteidigerbein unterbunden wurde (21.). Tkacz schoss zudem verdeckt auf den Körper von Hennefs Schlussmann Niclas Altmann (32.). Das 2:0 zu einem bitteren Zeitpunkt – in der dritten Minute der Nachspielzeit des ersten Durchgangs – fiel daher überraschend: Nach einem Einwurf auf der linken Abwehrseite überraschte Najar seinen Gegner Gérard Sambou mit einem Hackenzuspiel auf Sakae Iohara. Dessen diagonaler Flachpass quer durch den 16-Meter-Raum erreichte den aufgerückten linken Verteidiger Matthias Roder. Da Tkacz sich eine gedankliche Auszeit nahm und Roder aus den Augen verlor, zielte dieser frei aus 13 Metern in die kurze Ecke.

Hannes bestrafte die schläfrige Nachlässigkeit umgehend, ließ den Deutsch-Polen in der Kabine und brachte Christian Kreutzer, der mit Achillessehnenschmerzen das Training in der vergangenen Woche aussetzte. Der Kapitän trug gleich zur Stabilität einer erneut aktiven Borussia bei. „Angerannt, probiert, gefightet, gelaufen“, zählte der Coach respektzollend auf, um mit den Mankos fortzusetzen. „Zu oft zeigten wir uns in den Angriffssituationen zu unkonzentriert und zu eigensinnig. Drei-, viermal mussten wir den Kopf heben und quer legen.“ So machten die Schwarz-Weißen zu wenig aus ihrem höheren Ballbesitzanteil. Selbst ab der Einwechslung des für weiteren Dampf sorgenden Yannick Kuhnke blieb die Durchschlagskraft überschaubar. Echte Torchancen schafften es auch wegen unpräziser Flanken auf Kevin Kruth oder Bahadir Güler nicht auf den Notizblock.

Dass die Hennefer, die noch durch einen Alleingang von Klug (85.) und einen 20-Meter-Freistoß auffielen (90.), sich ab Mitte der zweiten Halbzeit seltener lösen konnten, geschah nach Hannes Einschätzung nicht nur aufgrund ihrer generell abwartenden Haltung: „Konditionell waren wir besser dran. Ich hatte bis fünf Minuten vor dem Ende das Gefühl, dass wir im Falle eines Anschlusstreffers noch etwas mitnehmen könnten. Aber vorne strahlten wir einfach zu wenig Gefahr aus. Es war kein schlechtes Spiel, die Jungs kämpften, doch Hennef konnte aus ihren wenigen Möglichkeiten mit unserer Schlafmützen-Unterstützung viel machen.“ Sorgenvoll blickte der neuerdings 61-Jährige beim Einstieg in den Mannschaftsbus auf die Beine von Simon und Wiersberg. Während eine erste Diagnose bei Simon auf eine Zerrung hindeutet, könnte für Wiersberg die Saison vorzeitig beendet sein, sollte sich der Verdacht auf Muskelfaserriss erhärten.

Aufstellung: Lovric – Kraus, Daescu, Wiersberg (57. Güler), Sambou – Lee, Takai, Simon (65. Kuhnke) – Tkacz (46. Kreutzer), Kruth, Schneider
Tore: 1:0 Klug (6.), 2:0 Roder (45.+3)
Gelbe Karten: Lee, Simon
Schiedsrichter: Jäger (Hellenthal)