Brennende Füße auf dem Merkur

Einen Punkt holte die Borussia in der Auswärtspartie beim SSV Merten. Durch das 1:1-Unentschieden verweilt Freialdenhoven in der Tabelle weiter auf dem fünften Rang. Das Match vor 150 Zuschauern in der „Merkur-Arena“ begann aus schwarz-weißer Sicht nicht nach Plan. In der achten Minute brachten sich die Gäste selbst in Bedrängnis, als Gérard Sambou einen flachen Abstoß von Tobias Werres locker auf Alexandru Daescu prallen lassen wollte, was jedoch eine Steilvorlage für Mertens Takahiro Higa wurde. Der durchgelaufene Julian Wiersberg rettete hier auf der Linie. Die anschließende Ecke führten die Bornheimer kurz aus. René Ebersbach jagte das Leder flach quer durch den 16-Meter-Raum und am zweiten Pfosten stand Rolf-Christel Guié-Mien genau in Position. Die Chance ließ sich der frühere Bundesliga-Profi nicht nehmen und netzte zur frühen Mertener Führung ein (9.).

Freialdenhoven fand schwer hinein in das beidseitig engagiert gestaltete Match. Der heimische SSV hatte es auf die zweiten Bälle abgesehen und man spürte seine Extraportion Willen, schließlich stand für die Hausherren im Kampf um den Klassenerhalt einiges auf dem Spiel. Trotzdem verbesserten sich die Borussen und rissen mit dem fortschreitenden Minutenzeiger zunehmend die Kontrolle an sich. Bei ihren Flanken arbeiteten Pascal Schneider und Oskar Tkacz noch an der Feinjustierung. Maßarbeit war dafür der Ausgleichstreffer: Schneider legte die Kugel von der linken Außenbahn auf Philipp Simon zurück. Der 24-Jährige schickte in 20 Metern Torentfernung einen Verteidiger ins Kino und verwandelte aus für den Mertener Keeper verdeckter, halblinker Position ins kurze Eck (34.). Es folgten weitere zwingende Aktionen gegen die „Türme“ in der SSV-Abwehr: Einen Versuch aus 22 Metern setzte Simon über den Kasten, Kevin Kruth plante einen zu hoch geratenen Schuss vom Strafraumeck für die lange Ecke. „Die Führung war durchaus drin. Manchmal fehlte nur der letzte Pass“, zeigte sich Trainer Wilfried Hannes mit der Reaktion seiner Mannschaft auf den frühen Rückstand zufrieden.

Zumal die Freialdenhovener im zweiten Abschnitt aktiv blieben. Außer seinem gehaltenen 20-Meter-Freistoß besaß Schneider nach schnörkellosem Zusammenspiel mit Daisuke Takai eine gute Gelegenheit, verfehlte aber das kurze Eck. Allmählich forderten die hohen Temperaturen auf dem großen Kunstrasenteppich ihren Tribut, da auch die umkämpften Mittelfeldszenen „auf dem Merkur“ zunahmen. „Die Füße haben förmlich gebrannt“, war Offensivmann Schneider nicht der einzige, der nach dem Abpfiff erstmal zum Natureis aus den Behältern der Physiotherapeuten griff. Obendrein konnte Hannes lediglich zweimal wechseln. Bei Christian Kreutzer machte sich wie in Bergisch Gladbach vor eineinhalb Wochen die Achillessehne bemerkbar, weshalb der Kapitän vollständig aussetzte. Bahadir Güler war privat verhindert. Da passte es keinem Borussen, dass eine Szene zusätzliche Würze in die Auseinandersetzung brachte. Wegen einer – im Schiedsrichterjargon so bezeichneten – „Textilbremse“ sah Takai, der allgemein wieder seine Qualitäten im Abräumen und gleichzeitig im Eröffnen von Angriffen unterstrich, 20 Minuten vor dem Ende die Gelb-Rote Karte. Natürlich legte Merten jetzt noch einmal zu, allerdings genehmigte die nun etwas zurückgezogene, gut gestaffelte Defensive der Freialdenhovener nur teilweise weit vorbei fliegende Fernschüsse und Standardsituationen.

Im Endeffekt hatte so neben langen ausgeglichenen Minuten jedes Team seine bestimmenderen Phasen. Wenn die Borussia über die volle Distanz komplett geblieben wäre, hätte es möglicherweise noch die Chance auf den Sieg gegeben. Trainer Hannes resümierte: „Merten war der erwartet robuste Gegner. In Unterzahl und bei der Hitze auf dem Kunstrasen war das nicht einfach. Deswegen können wir zwar mit dem Remis leben, doch richtig zufrieden sind wir auch nicht. Wir hätten gerne gewonnen. Dafür mussten wir in der ersten Halbzeit aber konsequenter in unseren Abschlusssituationen sein.“ Der nun seit fünf Wochen ungeschlagene SSV baute seinen Vorsprung auf die Abstiegsränge mit dem Zähler und den Niederlagen der Verfolger auf vier Punkte aus. „Heute haben wir gegen einen sehr starken Gegner einen Punkt gewonnen“, kommentierte Mertens Trainer Alex Halfen. Er gab den Borussen gute Wünsche mit auf den Weg und gönnte ihnen einen Sieg im nächsten Spiel. Nicht ganz uneigennützig, denn am kommenden Sonntag empfängt Freialdenhoven zuhause den direkten Mertener Konkurrenten Wesseling-Urfeld.

Aufstellung: Werres – Kraus, Daescu, Wiersberg, Sambou – Lee (61. Nock), Takai, Simon – Tkacz, Kruth, Schneider (79. Fadel)
Tore: 1:0 Guié-Mien (9.), 1:1 Simon (34.)
Gelbe Karte: Kruth
Gelb-Rote Karte: Takai (70.)
Schiedsrichter: Mrkalj (Köln)