Bodenständigkeit auf galaktischer Reise

Es wird galaktisch für die Borussen, denn ihr Auswärtsspiel am Sonntag (Anstoß 15.00 Uhr) führt sie in die „Merkur-Arena“. Die Benennung ihrer Sportanlage nach dem sonnennächsten Planeten erdachten sich die Verantwortlichen des SSV Merten als kreativ-ulkige Abkürzung für „MERtener KUnstRasenplatz“, was ihnen zugleich einen kurzen und im Nachgang als Anekdote dienenden Rechtsstreit mit der namensgleichen Merkur-Spielothek einbrachte. „Auf dem Merkur“ also begegnen die auf Tabellenrang fünf rangierenden Freialdenhovener dem 13., der seine letzten drei Spiele allesamt gewinnen konnte. Damit stießen die Bornheimer auf einen Nicht-Abstiegsplatz vor. Im Rückrundentableau liegt Merten (5. Platz, 16 Punkte) sogar vor der Borussia (7. Platz, 14 Punkte), die zum ersten Mal seit zwölf Monaten dreimal hintereinander nicht gewann. Soll sich das Blatt wieder wenden, geht es vor allem um die Stabilisation des früheren Prunkstücks, der Defensivarbeit.

Daher ist das geplante Vorhaben auf dem Merkur ganz irdisch, beziehungsweise bodenständig. „Wir müssen uns vordergründig auf das Spiel gegen den Ball konzentrieren, mit der richtigen Einstellung hineingehen, konsequent sein und die Null halten“, kennt Kevin Kruth das Rezept. Dass die Schwarz-Weißen in den vergangenen drei Partien immer vier Gegentore kassierten, wurmt jeden an der Ederener Straße. „Bekommen wir wieder weniger Gegentreffer, besitzen wir stets gute Siegchancen“, meint Freialdenhovens bester Torschütze Kruth. Das Lokalduell gegen Vichttal dient als Beleg. Vier Tore schoss gegen den Aufsteiger erst eine andere Mannschaft (Siegburg). In der Offensive hat Trainer Wilfried Hannes zudem schon länger die große Auswahl. Das zeigt sich beispielsweise daran, dass die eigentliche Stammkraft Poongbeom Lee öfter „nur“ eingewechselt wurde oder mit Pascal Schneider der Top-Scorer der Vorsaison mehrmals auf der Bank Platz nahm.

Gegen Vichttal legte Schneider zwei Kruth-Tore vor und versenkte den Strafstoß zum umjubelten 4:4-Ausgleich in der Nachspielzeit. „In der zweiten Halbzeit lieferten alle einen super Einsatz, das war klasse“, erfreute sich Hannes an der Mega-Aufholjagd und genehmigte dem Team nach einer anstrengenden „englischen“ Woche einen trainingsfreien Dienstag. „Jeder war gedanklich mal vom Fußball weg. Jetzt fahren wir neu fokussiert und konzentriert nach Merten“, erläutert der Coach. Nicht mit dabei sind Leon Ruhrig (Mittelfußbruch, zum Sondertext [hier]) und Okan Dikenli (Knie). Stark fraglich ist der Einsatz von Yannick Kuhnke (Zerrung). Alexandru Daescu steht nach seiner Gelb-Rot-Sperre wieder zur Verfügung.

Auch der SSV Merten gönnte sich einen freien Maifeiertag, allerdings zur Belohnung nach den jüngsten Erfolgen. Zur Winterpause waren die Grün-Weißen Letzter, als aktueller 13. wären sie gerettet (Erklärungen zum Auf- und Abstieg [hier]). Seitdem Alexander Halfen im November den Trainerposten von Langzeit-Coach Frank Pleimes übernahm, holte er sieben Siege, darunter fünf in der Rückrunde, etwa gegen Vichttal, Bergisch Gladbach und zuletzt Arnoldsweiler, gegen die die Borussia nicht gewann. Auffälligste Akteure bei Merten sind Takahiro Higa (zwölf Tore) und Rolf-Christel Guié-Mien. Der inzwischen 40-jährige, frühere Bundesliga-Profi (u. a. Eintracht Frankfurt, 1. FC Köln) sorgt mit seiner Erfahrung für Stabilität im SSV-Spiel. Der Kongolese war auch schon in der Saison 2013/14 an Bord, als die Mertener ihr zuvor einziges Mittelrheinliga-Jahr absolvierten. Zwei Spielzeiten hintereinander bestritten sie noch nie in der höchsten Amateurklasse. Der Klassenerhalt wäre demnach der größte Vereinserfolg. „Dementsprechend motiviert wird Merten sein“, glaubt Hannes. „Das wird eine schwierige Auswärtsfahrt.“ Und aufregend sollte eine Reise zum Merkur ja ohnehin sein…

Bus / Adresse:
Der Bus fährt um 12.30 Uhr am Freialdenhovener Kirmesplatz ab.
Die Stadionadresse lautet: Rüttersweg 175, 53332 Bornheim-Merten.

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Hinspiel: 3:2-Sieg