Spektakuläres Topspiel endet unglücklich

Das spektakuläre und in der Anfangsphase wegen Gewitters unterbrochene Topspiel beim Tabellenführer TV Herkenrath 09 endete mit einer unglücklichen Niederlage. Die mutigen und am Sonntag technisch versierteren Borussen stellten die bessere Mannschaft, doch individuelle Missgeschicke brachten sie um den mindestens verdienten Punkt. „So komisch das klingt, aber wir waren über 90 Minuten stärker. Leider machten wir einfach zu viele Fehler“, sagte ein enttäuschter Trainer Wilfried Hannes zum verpassten Tabellensprung nach oben, zumal die Konkurrenz aus Hennef und Siegburg verlor.

Freialdenhoven kam entschlossen aus den Startlöchern. Oskar Tkacz dribbelte sich in eine Abschlussposition und verzog (5.). Unerwartet fiel in der 7. Minute das 1:0 für Herkenrath: Einen glitschigen Freistoß-Aufsetzer von Vincent Geimer ließ Borussias Torwart Tobias Werres nach vorne abklatschen. Patrik Flender reagierte am schnellsten und netzte aus drei Metern locker ein. Ein prompter Rückstand war genau das, was Hannes vermeiden wollte auf dem mit 150 Zuschauern besuchten Braunsberg. Jene Besucher standen dann erstmal im Regen. Ein Gewitter mit heftigen Niederschlägen, Winden und Hagel veranlasste Schiedsrichter Niklas Dardenne ab der 9. Minute zu einer viertelstündigen Unterbrechung (9.). Als die Teams sich wieder aus der Kabine trauen durften, gab es auch auf dem Platz kein Versteckspiel mehr. Auf sehr hohem Mittelrheinliga-Niveau entwickelte sich ein spannendes und dynamisches Hin und her mit beherzten Zweikämpfen und Vorteilen für die eng deckenden und gut eingestellten Freialdenhovener. Philipp Simon und Kevin Kruth zwangen den TV-Akteur Jimmy Mbyiavanga zweimal für seinen Schlussmann Andreas Kath zu klären. Den fälligen Ausgleich begünstigte Herkenraths Jasper Löffelsend, der mit hochgestreckten Armen zu einer Flanke von Gérard Sambou emporstieg und dem Leder eine Richtungsänderung verpasste. Gewohnt sicher verwandelte Simon den Handelfmeter (40.).

Das alleine aufgrund der Zielsetzung der Mannschaften (Eingriff in den Meisterkampf beziehungsweise Verteidigung der Tabellenführung für den Aufstieg) offen gestaltete Match trug ebenso in der zweiten Hälfte berechtigt die Bezeichnung „Spitzenspiel“. Leider wiederholte sich aus dem ersten Durchgang auch der frühe Rückstand – auf identische Art. Erneut war Flender der Nutznießer bei einem Abpraller von Werres (50.). Der sonst so sichere Rückhalt machte bei beiden strammen 25-Meter-Freistößen von Geimer eine unglückliche Figur. Die Borussen setzten ihren Weg allerdings ziemlich unbeeindruckt fort, provozierten Ballverluste der Gastgeber und kreierten gelegentlich Abschlüsse. Nachdem mit der Hereinnahme von Yannick Kuhnke, Pascal Schneider und Bahadir Güler der Offensivdruck noch intensiviert wurde, gelang zu Beginn der heißen Schlussphase der Durchbruch. Eine Kuhnke-Flanke von rechts fand über einen Herkenrather Kopf zu Schneider an die linke Grenze des Fünf-Meter-Raumes, von wo der Linksfuß die Kugel mit dem Außenrist und ein wenig abgefälscht in die lange Ecke schnibbelte (81.).

Es schien, dass das zusätzlich zum spielerischem Plus einsetzende Momentum nach dem 2:2 den Freialdenhovenern zum Sieg verhelfen könnte. Dass bei einer Flanke von Tkacz ein zweiter Handelfmeter ausblieb, gehörte zu den nicht wenigen Entscheidungen, die den Gesprächsstoff an Bänken und Stanketten lieferten, so wie zuvor ungeahndete Fouls an Wolfgang Nock und Simon. Im Gegenzug zum möglichen Strafstoß luchste Herkenraths Goalgetter Geimer dem auf der linken Abwehrseite aushelfenden Christian Kreutzer das Leder ab und schlug mit einem platzierten Schuss in die lange Ecke zum 3:2 zu (85.) „Sehr unglücklich für Freialdenhoven, ein Lucky Punch“, meinte der anwesende Co-Trainer des Regionalligisten Wegberg-Beeck, Dirk Ruhrig. Beinahe korrigierte Kreutzer das Ergebnis selbst, hämmerte den Ball aber unter die Querlatte. Der daraus entstehende Konter wiederum, den Daisuke Takai noch hätte unterbinden können, bescherte Tiziano Lo Iacono das 4:2 (88.).

„Trotz dreimaligem Rückstand gaben wir nie auf und hatten den Gegner spielerisch durchgehend im Griff. Unnötig und bitter die Partie aus den Händen gegeben zu haben“, bedauerte Hannes. „Das war der beste Gegner, gegen den wir bisher gespielt haben”, lobte TVH-Coach Chris Burhenne den Gast und freute sich umso mehr über das nun sechs Punkte große Polster auf den einzigen Aufstiegsrivalen Hennef. Für die auf Tabellenrang fünf liegende Borussia geht es weiter um eine noch bessere Platzierung, zumal sie bislang die wenigsten Partien der Liga austrug. Eine kommt schon am Mittwoch hinzu – mit dem Nachholer beim SV Bergisch Gladbach (20.00 Uhr), dem Herkenrather Stadtrivalen.

Aufstellung: Werres – Ruhrig (77. Güler), Kreutzer, Daescu, Sambou – Lee (58. Kuhnke), Takai, Nock (61. Schneider) – Simon, Kruth, Tkacz
Tore: 1:0 Flender (7.), 1:1 Simon (40./Handelfmeter), 2:1 Flender (50.), 2:2 Schneider (81.), 3:2 Geimer (85.), 4:2 Lo Iacono (88.)
Gelbe Karten: Tkacz, Sambou, Kuhnke
Schiedsrichter: Dardenne (Nettersheim)
Besonderes Vorkommnis: Das Spiel wurde wegen Gewitters für 15 Minuten unterbrochen (9.)