Kopie des Hinspielsieges

Wer sich an das Hinspiel zwischen der Borussia und dem FC Pesch an der Ederener Straße zurückerinnern kann, besitzt eine sehr gute Vorstellung davon, wie das zweite Aufeinandertreffen am Sonntag ablief. Denn das erste Freialdenhovener Gastspiel in dem linksrheinischen Kölner Stadtteil war wie eine Kopie des Hinrundensieges: Einen tiefstehenden und schwer zu überwindenden Gegner bezwangen die Borussen – wie bereits im Oktober – durch zwei späte Tore. Das 2:0 bedeutete den schon siebten Zu-Null-Erfolg in dieser Saison, was einen Liga-Bestwert darstellt. „Es wurde ein Geduldsspiel, das wir auf lange Sicht verdient gewannen. Wir ließen uns nicht aus der Ruhe bringen, weil wir das Bewusstsein hatten, dann eben erst spät die Tore zu machen“, ordnete Rechtsverteidiger Leon Ruhrig ein.

Der zwischenzeitlich von Verletzungen wie Muskelfaserriss und Zehenbruch heimgesuchte Ruhrig stand zum ersten Mal seit dem Saison-Auftaktmatch in Bergheim in der Startelf (für Moritz Kraus). Darüber hinaus zog Trainer Wilfried Hannes den Rumänen Alexandru Daescu in die Innenverteidigung zurück. Der beim 1:4 gegen Euskirchen letzte Woche nicht immer positionsgerecht agierende Gérard Sambou rückte dafür ins Mittelfeld vor bei frühsommerlichen Temperaturen in der Domstadt. „Auf so einem Kunstrasen der alten Generation kommt die Wärme zusätzlich auch von unten“, schilderte der erneut von Beginn an aufgebotene Youngster Luca Fadel die Bedingungen.

Jener Kunstrasen besitzt zudem kompakte Abmessungen. Das kam den Hausherren entgegen, die vom Anpfiff weg die Tür zumachten, um mindestens den für den Kampf um den Klassenerhalt wichtigen Punkt festzuhalten. Nur ein Weitschuss und eine Ecke – das war die Pescher Offensivausbeute in der ersten Hälfte, während Freialdenhoven gefühlt annähernd 75 % Ballbesitz verzeichnete. Über die Außen lockerten Philipp Simon, Pascal Schneider oder Poongbeom Lee das FC-Massiv verschiedentlich auf, jedoch verhinderten viele Kölner Beine Chancen der Premium-Kategorie. Immerhin prüfte Kevin Kruth Torwart Christian Tokgözoglu zu Beginn vom rechten Strafraumeck aus (7.). In der 20. Minute befand sich Philipp Simon in aussichtsreicher Lage und hätte aus elf Metern abschließen können. Allerdings ging er ins Dribbling und blieb hängen. Dazu segelte ein Kopfball von Ruhrig nach einer Schneider-Flanke über den Kasten (36.).

In der Halbzeit besetzte Hannes mit der Hineinnahme von Yannick Kuhnke gleich drei Positionen neu. Damit wollte der Fußballlehrer dem Borussen-Spiel neuen Schwung und Überraschungsmomente einhauchen. Zuerst aber zeigten die Gastgeber nun mehr Entschiedenheit bei ihren Kontern. Marc Sanner produzierte mit einem Lupfer an die Latte die bis dato dickste Möglichkeit der gesamten Partie – Daescu kehrte den Abpraller aus dem Fünf-Meter-Raum (56.). Kurz darauf parierte Freialdenhovens Keeper Tobias Werres gut gegen den freistehenden Ugur Kiracti (61.). Keine Chance hatte der Torhüter bei einem Treffer von Gaetan Maison, doch die Fahne des Schiedsrichter-Assistenten schnellte wegen Abseits hinauf.

Anschließend an diese Phase sahen die Fans das zuvor gewohnte Bild: Mit hohem Laufaufwand steuerten die Borussen auf die blau-weißen Abwehrwände zu und taten sich schwer diese aufzubrechen. Die Geduld, die Hannes in unserem Vorbericht [hier] einforderte („Wir müssen auf der Hut sein und Ruhe bewahren“), war gefragt – und sie wurde in der 83. Minute belohnt: Mit einem schönen Pass steckte Simon zu Oskar Tkacz durch und der Eingewechselte verwandelte hoch ins lange Eck. Die Pescher senkten die Köpfe. „Schon öfter lief eine Endphase gegen uns“, haderte FC-Coach Peter Mauß. Die Freialdenhovener Abwehr erstickte die Ansätze einer Kölner Schlussoffensive. Stattdessen entstand jetzt der Raum für einen Hochkaräter: Der fürs kurze Eck geplante 16-Meter-Schuss von Ruhrig aus halbrechter Position knallte ans Gebälk (86.). Der 21-Jährige war auch an der endgültigen Entscheidung beteiligt: Ruhrigs Hereingabe von rechts schoss Kruth am zweiten Pfosten zu seinem zehnten Saisontor ein (90.). Hannes resümierte: „Wir haben gewonnen ohne zu glänzen, denn spielerisch können wir mehr. Aber bei den Temperaturen und so tiefstehenden Peschern wurde es ein Arbeitssieg. Wir mussten viel ackern und laufen, um die verdiente Ernte einzufahren. Defensiv ließen wir gegen eine kampfstarke Heimmannschaft nur wenige Gelegenheiten zu.“

Aufstellung: Werres – Ruhrig, Kreutzer, Daescu, Fadel (46. Kuhnke) – Lee (67. Nock), Takai, Sambou – Simon, Kruth, Schneider (64. Tkacz)
Tore: 0:1 Tkacz (83.), 0:2 Kruth (90.)
Gelbe Karte: Tkacz
Schiedsrichter: Geyer (Aachen)