Schönenbacher „jetzt auch Borussia-Anhänger“

Am Rande der Mittelrheinpokal-Partie beim SV Schönenbach (4:0) am Samstag gab es besondere Aussagen und Momente, die man in dieser Form selten erlebt rund um ein Pflichtspiel. Schon im Vorfeld der Achtelfinal-Paarung, die der Kreisliga A-Verein und der kleine Stadtteil von Waldbröl selbst als „das Spiel der Spiele“ ansah, existierte eine sehr gelungene Abstimmung bei verschiedenen Aspekten der Spielvorbereitung. Vor Ort in der Lademacher Waldarena verkörperten die über 20 Schönenbacher Mitarbeiter das spezielle Pokalfeeling und bewiesen große Gastfreundschaft gegenüber dem Freialdenhovener Team und den rund 30 mitgereisten Fans. Hand in Hand verliefen wiederum der Verkauf der Eintrittskarten in die Autos der Zuschauer hinein (diese Form des „Drive-in-Tickets“ gab es 2003 auch an der Ederener Straße beim Oberliga-Gastspiel von Fortuna Düsseldorf), an denen sich Borussias 2. Hauptkassierer Günter Bradler gerne beteiligte, und die süffisant-ironische Moderation. Freialdenhovens Stadionsprecher Tim Schmitz (rechts auf dem Foto neben seinem Schönenbacher Kollegen Johannes Graefe) durfte die Borussen-Anhänger begrüßen, die Aufstellung der Schwarz-Weißen ansagen und sollte auch in der Halbzeit nochmal Auskunft über unseren Klub erteilen.

Die Schönenbacher setzten im ersten Pokal-Achtelfinale ihrer fast 100-jährigen Vereinsgeschichte also auf Kooperation statt Abgrenzung und dieser hohe Respekt wurde erwidert. „Die Spieler, Verantwortlichen und die Zuschauer von Freialdenhoven waren kein bisschen arrogant, wie wir das schon mal anderswo bei einem Drei-Klassen-Unterschied zu spüren bekamen. Trotz aller sportlichen Rivalität während der 90 Minuten lief alles super freundschaftlich ab, sehr herzlich, offen und sehr gut zu uns passend“, meinten die SV-Mitarbeiter Dennis Schumann und Martin Trojca. Auch das Statement von Wilfried Hannes erntete Applaus von den Oberbergischen: „Sie haben sich hervorragend präsentiert. Ich kann mir gut vorstellen, wie Hürth in der ersten Pokalrunde hier verloren hat. Kompliment an den Gegner, allein von der körperlichen Robustheit her ist er kein gewöhnlicher A-Ligist. Ich wünsche euch den Aufstieg“, sagte Borussias Trainer in der ersten Pressekonferenz der Schönenbacher Vereinsgeschichte.

SV-Präsident Rainer Vogel kam nach dem umkämpften, aber fairen Spiel auf den Freialdenhovener Vorstand zu: „Ich möchte mich bedanken für sehr angenehme, partnerschaftliche Miteinander mit euch. Es war imponierend und eine Freude gegen euch gespielt zu haben.“ Sogar die unterlegenen Spieler wie Thomas-Gregor Slesiona bedankten sich bei Borussias Trainern und Offiziellen für den Pokalabend. Am gestrigen Sonntag richtete der Marketingbeauftragte Trojca noch ein Statement in Richtung Freialdenhoven: „Unser Verein hat mit diesem Highlight wahnsinnig an Ansehen gewonnen, weit über die Grenzen des Oberbergischen hinaus. Wir stolz darauf den SV Schönenbach so dargestellt zu haben! Daran hat auch die Borussia mit ihren tollen Menschen einen Anteil. Wir sind froh, „Freunde im Fußball“ gefunden zu haben, mit denen man sich an dieses Ereignis erinnern wird!“

Stadionsprecher Graefe verkündete schon vor Ort: „Ab sofort sind wir auch Borussia-Fans! Euer Auftreten war toll, zwischenmenschlich hat es super gepasst. Wir wünschen euch das Allerbeste und dass ihr den Pokal holt. Dann können wir obendrein sagen, dass wir gegen den späteren Sieger verloren haben.“ Einzelne Schönenbacher denken darüber nach, die Borussia in der nächsten Pokalrunde zu besuchen.

Diese ist für den 20.-22. Februar vorgesehen. Fest steht also, dass die Freialdenhovener im Wettbewerb überwintern und als Viertelfinalist bereits jetzt am Fernsehgeld für das live in der ARD übertragene Endspiel beteiligt werden. Über den Gegner gibt es verschiedene Vorstellungen. Manche wünschen sich einen tieferklassigen Kontrahenten, andere einen Heimspiel-Kracher gegen Alemannia Aachen, den Bonner SC, Viktoria oder Fortuna Köln. Die Auslosung findet statt am 14. Dezember.