Schiri-Ärger – zu neunt einen Punkt erkämpft

Die Verantwortlichen der gastgebenden Spielvereinigung Wesseling-Urfeld und der Borussia diskutierten nach dem 1:1-Unentschieden ausgiebiger über die Leistung des Schiedsrichters, als über die ihrer Sportler. Der Referee Niklas Dahmen von Germania Freund aus dem Fußballkreis Aachen beeinflusste die Partie mit zwei umstrittenen Roten Karten für Freialdenhoven nachhaltig. „Der Schiedsrichter wirkte schlicht überfordert. Was uns hier widerfahren ist, muss ich erstmal verdauen“, ließ Wilfried Hannes seinen Frust raus. Sein Wesselinger Trainerkollege Josef Farkas pflichtete ihm gar bei: „Es war überhaupt kein hartes Match. Die Entscheidungen des Unparteiischen fielen allerdings sehr fraglich aus.“ In seinen sechs Spielleitungen während dieser Saison schickte Dahmen schon acht Akteure frühzeitig zum Duschen. „Das sagt doch einiges“, schimpfte Hannes.

Die aus den Platzverweisen resultierenden Sperren bedeuten eine weitere Verschärfung der allmählich bis an den Rand der Machbarkeit belasteten Personallage. Christian Kreutzer, Gérard Sambou und Philipp Simon bissen am Sonntag auf die Zähne und stellten sich in den Dienst der Mannschaft, obwohl sie (wie in unserem Vorbericht vermeldet) nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte waren. Auf dem kleinen Kunstrasen in Wesseling setzten die aktuell auf einem Abstiegsplatz rangierenden Hausherren auf „Langholz“. Auch ihre Einwürfe führten die robusten Grün-Blauen weit und zielgerichtet aus, sodass teilweise Borussen-Keeper Tobias Werres faustend einschreiten musste. Nach zwei daraus entstandenen Abschlüssen von Michael Sohns und Daniel Farkas stellten sich die Freialdenhovener auf dieses Mittel ein und kamen ihrerseits besser ins Spiel – bis in der 22. Minute die erste Rote Karte für den ersten Nackenschlag sorgte. Einen abgewehrten Kreutzer-Einwurf nutzte Wesselings Delord Unzola zum Gegenstoß. Alexandru Daescu ließ gegen den auf ihn zusteuernden Dominik Schütz das Bein stehen, wobei sich Schütz leider verletzte. Der Schiedsrichter wertete die Aktion 18 Meter vor dem Borussen-Gehäuse fälschlicherweise als Notbremse, denn Okan Dikenli und Moritz Kraus hätten noch eingreifen können.

Von einer Veränderung des Spiels spürten die 150 Zuschauer nichts. Die Schwarz-Weißen verteidigten blendend und gingen vor der Pause zudem in Führung. Über die rechte Seite stieß Oskar Tkacz hervor und bediente Poongbeom Lee im Strafraum. Der Südkoreaner stand mit dem Rücken zum gegnerischen Tor und wurde bei seiner Drehung von Daniel Farkas erwischt. Der fällige Elfmeter saß (wie der von Sambou gegen Merten in der Vorwoche) nicht: Tkacz traf das Leder nicht ideal, Wesselings Torwart Jörg Gräber ließ ihn allerdings bei seiner Parade nach vorne klatschen, sodass Dikenli abstauben konnte (39.).

In der Halbzeit stellte Hannes auf eine dichtere Defensive um und ersetzte Stürmer Bahadir Güler durch Wolfgang Nock. Der trug sofort dazu bei, dass die weiter mit langen Bällen operierende Farkas-Elf keinerlei Chancen generierte. Die Begegnung bewegte sich zwar auf einem schwachen Niveau, den Borussen konnte man dabei aber keinen Vorwurf machen. Sie mussten in Unterzahl viel mehr Laufarbeit leisten, hatten das ohne Torszenen verlaufende Match durch geschickte, jederzeit konzentrierte Defensivarbeit im Griff und starteten gelegentliche Konterversuche, vor allem über Tkacz und Yannick Kuhnke. Aufregung kam erst wieder in der 70. Minute auf: Um die Ausführung eines Einwurfs von Dikenli zu beschleunigen, warf ein Wesselinger Auswechselspieler dem Freialdenhovener Abwehrmann einen Ersatzball kraftvoll auf Kopfhöhe zu. Dikenli fühlte sich angegriffen und tat es ihm mit einem Wurf in die Gegenrichtung gleich. Daraufhin zückte der Referee ohne Rücksprache mit seinem bestens positionierten Assistenten Rot für Dikenli und ließ den Wesselinger unbescholten davon kommen. Bei der folgenden Rudelbildung mischten obendrein Betreuer auf dem Feld mit.

Nun wurde es natürlich eng für die Borussen, die bereits 50 Minuten Unterzahlspiel in den Knochen hatten und fortan noch mehr investieren mussten. Zu neunt verteidigten sie tiefer und weiter stark gegen elf verkrampfte Wesselinger. Über einen Freistoß nahe der Grundlinie passierte dann doch der Ausgleich: Deniz Millitürk traf den über Kreutzers Haare streichenden Ball per Kopf nicht mal richtig, aber es reichte, damit er ins lange Eck trudelte (84.). In der spannenden Schlussphase wurde Freialdenhovens Simon bei einem vielversprechenden Konter im letzten Moment an einem gefährlichen Abschluss gehindert (87.) und es ereignete sich ein enger Zweikampf zwischen Nock und Nils Elenz, bei dem die Wesselinger vehement Elfmeter forderten (90.+1).

„Es ist ein bisschen traurig, dass wir keine Spielkultur an den Tag legten und mit zwei Mann mehr nur eine Möglichkeit herausspielten. Bei 11-gegen-11 wäre es ganz schwierig geworden für uns, wir hatten ja schon mit zehn Freialdenhovenern Probleme“, räumte Wesselings Coach Farkas nach dem siebten (!) 1:1 der Spielvereinigung in dieser Saison ein. Die Worte trösteten den erbosten Hannes nicht über die Begleitumstände hinweg: „Die Jungs kämpften super! Leider brachten sie das 1:0 mit ihrer Top-Einstellung nicht über die Zeit. Die zwei zusätzlichen Punkte wurden uns quasi vom Schiedsrichter genommen. Wir waren ja sogar mit zehn Mann besser!“

Aufstellung: Werres – Kraus, Kreutzer, Daescu, Dikenli – Lee, Takai, Sambou – Kuhnke (67. Simon), Güler (46. Nock), Tkacz (81. Fadel)
Tore: 0:1 Dikenli (39.), 1:1 Millitürk (84.)
Gelbe Karte: Takai
Rote Karten:  Daescu (22./Notbremse), Dikenli (70./Unsportlichkeit)
Bes. Vorkommnis: Wesselings Torwart Gräber hält Foulelfmeter von Tkacz, Nachschuss verwandelt Dikenli (39.)
Schiedsrichter: Dahmen (Aachen)