Aussprache für die Kehrtwende

Schon über eine Stunde war nach dem Abpfiff der Partie gegen den FC Hennef 05 (2:3) vergangen, als die Autos der Freialdenhovener Spieler noch immer auf dem Parkplatz standen. Die Aktiven fanden sich aus eigenem Antrieb nach dem Duschen noch im Versammlungsraum des Vereinsheims zusammen. Der Anlass der Besprechung verwundert nicht angesichts des aktuellen sportlichen Abschneidens. „So kann es nicht weiter gehen, wir müssen zwingend anders auftreten und die Kehrtwende schaffen“, sagte Kapitän Christian Kreutzer, bevor er die Tür hinter sich schloss.

Die Spieler nehmen die Situation ernst. Ihr Saisonziel, mindestens Fünfter zu werden, ist vier Runden vor Schluss nur noch theoretisch erreichbar. Mittlerweile gerät bei Punktgleichheit mit Viktoria Arnoldsweiler der Titel „Nummer 1 im Kreis Düren“ in Gefahr (zur Mittelrheinliga-Tabelle [hier]). Im Normalfall müssten die Borussen angespannt auf den Abstand zur Abstiegszone achten, aber da kein Verein aus der Regionalliga in die Mittelrheinliga absteigt (sportlich und wirtschaftlich ist alles geklärt, auch Alemannia Aachen bekam die Regionalliga-Lizenz), steigen nur drei Klubs aus der Mittelrheinliga in die Landesliga ab. Die Anzahl der Absteiger könnte sich nur wieder auf vier erhöhen, wenn alle drei Vereine, die die Regionalliga-Lizenz beantragten, die ersten drei Tabellenplätze verfehlen würden, oder sie ihre Regionalliga-Bewerbung zurückziehen sollten. Während die Verantwortlichen des FC Wegberg-Beeck das Aufstiegsthema inzwischen kritischer zu beäugen scheinen, wird ein solcher Schritt den Bergisch Gladbacher Vereinen SV 09 und TV Herkenrath nicht zugetraut.

„Wir müssen endlich wieder punkten, egal wo und wie“, sagte ein Borusse, um so auch die nur entfernteste und abwegigste Möglichkeit von Abstiegsgefahr schnellstens auszuschließen. Freialdenhoven lag schon gegen Hennef nach dem Doppelschlag von Kevin Kruth und Pascal Schneider verheißungsvoll im Rennen. „Wir kämpften gut, belohnten uns aber einfach nicht“, saß der Frust bei Trainer Wilfried Hannes tief, wieder mit leeren Händen dazustehen. In der Tat sah der Auftritt gegen den FC, für den es im Fight um den Klassenerhalt am Sonntag um alles ging, engagierter und einfallsreicher aus, als bei den schwachen Leistungen in den vorherigen Derbys gegen Hahn (1:3) und Arnoldsweiler (0:3). Zwei Pfostenschüsse von Philipp Simon und Pascal Schneider wurden vom Pech begleitet, aber dennoch steht unter dem Strich die sehr magere Punkteausbeute in der Rückrunde mit nur zwei Siegen in Rheinbach (3:0) und Wesseling-Urfeld (2:1).

„Derzeit müssen zu Viele auf fremden Positionen aushelfen, das führt zu Unsicherheiten“, erklärt Hannes. Dazu laufen notgedrungen regelmäßig nicht fitte Spieler auf wie Christian Kreutzer, Julian Wiersberg oder Philipp Simon in den vergangenen Wochen. Auch Torwart Ivica Ljubicic, dem in der Öffentlichkeit häufig Fehler vorgehalten werden, plagt sich bereits seit der Partie gegen Friesdorf (1:1) Mitte März mit Leistenproblemen herum. „Es ist klar, dass ich nicht 100 % bringen kann. Ich spiele teilweise mit stärkeren Schmerzen, aber ich versuche alles, weil es letztlich auch keine Alternative gibt“, liefert der Keeper Einblicke in die Misere. Nun geht es auswärts zum SV Bergisch Gladbach. Dem Aufstiegsaspiranten begegnet die Borussia derzeit nicht mehr auf gleicher Höhe, sondern in der Außenseiterrolle. Die Erwartungen der Anhängerschaft auf einen direkten Punkte-Effekt der Spieler-Aussprache sind daher nicht allzu hoch, was andererseits freies Aufspielen ermöglicht.