Kreutzers Knaller belohnt mutige Borussen

Leidenschaftlich umkämpft und besonders in der zweiten Halbzeit enorm spannend: Auch wenn sich die 388 Zuschauer im Waldstadion spielerisch stellenweise mehr erhofften, hielt das mit 1:1 beendete Derby beim FC Wegberg-Beeck emotional was es versprach. Beide Teams hatten in dem intensiven Topspiel (Erster gegen Dritter) am Freitagabend ihre Drangphasen und Chancen auf den Sieg. „Wir waren super aggressiv, arbeiteten viel, sahen gut aus und verdienten uns den Punkt“, bilanzierte Trainer Wilfried Hannes.

Dieselbe Startelf wie eine Woche zuvor gegen Friesdorf (1:1) verbuchte bereits nach 14 Sekunden die erste Ecke. Zu Beginn kristallisierte sich schon heraus, dass viele enge Zweikämpfe und kleine Fouls im beackerten Mittelfeld den „El Clásico“ prägen würden, wie das Stadionheft das ewig junge Duell in Anlehnung an Real Madrid gegen FC Barcelona taufte. Hochmotivierte Freialdenhovener gingen zielstrebig zu Werke. Beeck wendete schnelles Kurzpassspiel an, baute aber Schwächen mit ein. Zudem lief die Borussia ihre Gegner schnell an und ihre Verteidigungsreihe fand die richtige Höhe, sodass die Steilpässe der Gastgeber ins Leere rollten. „Wir waren früh drin in der Partie“, beobachtete Hannes. „Ich glaube Beeck war etwas überrascht von unserer offensiven Auslegung. Hinten drin stehen wäre nicht gut gewesen gegen die beste Mannschaft der Liga und auch nicht unser Ding.“ Erste Torannäherungen kreierten Philipp Simon (8., drüber) und Kevin Kruth (26., pariert).

Danach legte der Mittelrheinliga-Spitzenreiter zu: Nico Czichi verzog aus 17 Metern (27.), Sahin Dagistan hämmerte die Kugel nach einer Ecke von Arian Berkigt volley über die Latte (28.). In der 32. Minute gingen die Beecker in Front: Eine von Danny Fäuster auf die Reise geschickte Flanke von der rechten Seite erreichte Czichi, der sich gegen Christian Kreutzer unter Einsatz seiner Hände Raum verschaffte, um den Ball in Form einer Bogenlampe ins lange Eck zu köpfen. Gegen Ende des ersten Durchgangs raunte die Tribüne bei zwei Großchancen der Borussia: Simon vollendete ein Solo aus 14 Metern (41.) und nach einer Ablage von Kruth zielte Mark Szymczewski mit einem kräftigen Schuss genauso minimal neben den Kasten (44.), sodass FC-Coach Friedel Henßen von einer „etwas glücklichen Pausenführung“ für seine Mannschaft sprach.

Diese sollte aber in der zweiten Hälfte den besseren Start erwischen. Czichis Versuch segelte auf die Maschen des Freialdenhovener Tores (48.), bevor Spielführer Berkigt einen Freistoß ans Außennetz zirkelte (51.). Es folgte wiederum eine starke Phase der Schwarz-Weißen, in der sie den daheim unbezwungenen Tabellenführer unter Druck setzten. Die Abschlüsse von Alexandru Daescu (55., Grätschschritt nach Freistoß von Pascal Schneider) und Szymczewski (57., Spannschuss nach Simon-Ecke) landeten knapp links neben dem Pfosten. „Wir pressten weiter hoch. Das kostete gerade mit fortwährender Dauer einer solch kräftezehrenden Begegnung Konzentration, die dann nach vorne manchmal abhandenkam, um noch präziser zu sein“, begründete Hannes die teils zu nachlässigen Pässe, wobei die Beecker vereinzelt im letzten Moment einschreiten mussten, wie gegen Kruth (64.). Die Borussia wähnte sich dafür im Glück bei einer dicken Gelegenheit des umtriebigen Czichi, dessen Schuss aus spitzem Winkel nach gewonnenem Laufduell gegen Admir Terzic am langen Eck vorbei lief (62.).

Da sich die Spielanteile und Tormöglichkeiten also allgemein  gleichwertend abwechselten, war es in der 70. Minute an der Zeit, ebenso die Anzeigetafel in Einklang zu bringen. Aus 21 Metern halblinker Entfernung gab Kapitän Kreutzer einen knallharten Freistoß ab, der durch die Mauer flog, wo sich einige Beecker wegdrehten, und oben links einschlug. Schlussmann Stefan Zabel ärgerte das erste Gegentor des FC in der Rückrunde. Kurz darauf musste Torschütze Kreutzer mit einer im Zweikampf davongetragenen Knöchelverletzung raus. Die Hausherren beklagten ihrerseits wohl leider schwerwiegendere Verletzungen beim in der 14. Minute ausgewechselten Marius Müller (Bänder) und Sebastian Wilms (Schlüsselbein), denen wir eine bestmögliche Genesung wünschen!

Wilms war in der 82. Minute noch mitten im Getümmel nach einem kurz ausgeführten Freistoß. Kurz vor der Linie konnte Dagistan den Ball nicht drücken. Abschließend blieb Borussen-Keeper Ivica Ljubicic, der seit einer Szene in der ersten Halbzeit unter Leistenbeschwerden litt, Sieger gegen Armand Drevina (87.). „Andererseits spielte Freialdenhoven einige Kontersituationen nicht effizient zu Ende, sodass wir mit dem Punkt durchaus gut leben können“, beurteilte Beecks Trainer Henßen. Mitten hinein in die hektische Schlussphase wurde Leon Ruhrig eingewechselt, um das Alptraum-Szenario seines Vaters Dirk herauf zu beschwören. Der Beecker Co-Trainer sagte im Vorfeld, er habe geträumt, „dass mein Sohn Leon von der Bank kommt und das 2:1 für die Borussia macht“. Diese Geschichte ereignete sich aber genauso nicht wie ein Kunstschuss von Thomas Lambertz, der das Hinspiel entschied, weshalb es im Klassiker beim für beiden Seiten gerechten Remis blieb. „Wille gezeigt, mutig aufgetreten – das wurde belohnt“, hob Hannes zufrieden den Daumen.

Aufstellung: Ljubicic – Ebisu, Kreutzer (81. Kuhnke), Wiersberg, Terzic – Daescu, Sambou – Simon (83. Kraus), Szymczewski, Schneider (89. Ruhrig) – Kruth
Tore: 1:0 Czichi (32.), 1:1 Kreutzer (70.)
Gelbe Karten: Sambou, Simon, Daescu, Szymczewski
Schiedsrichter: Tietze (Bonn)